Rücktritt nach 4 Stunden

Der 20.4.2018 war ein schwarzer Tag für unseren Kreisverband

und wahrscheinlich der schwärzeste in meinem bisherigen Leben. Nachdem ich am Vormittag mit einer 2/3-Mehrheit zum Vorsitzenden des Kreisverbandes gewählt worden bin, bin ich von dem Amt nach nur 4 Stunden wieder zurückgetreten. Das ist

mir sehr schwer gefallen.

 

Ich habe in meinem Umfeld immer wieder darauf hingewiesen,

dass ich kein Amt um des Amtes Willen in der Politik anstrebe. Das war und ist durchaus ernst gemeint. In meinem Verständnis ist ein Mandat oder Amt ein Auftrag auf Zeit. Schlicht und einfach.

 

Der Auftrag des SPD-Kreisvorsitzenden besteht darin, die Strukturen im Kreisverband zu ordnen, die politische Arbeit

des Vorstands zu koordinieren und den Kreisverband nach außen zu repräsentieren.

 

Nach meiner Wahl zum Vorsitzenden entschieden die

Delegierten leider, ihren frisch gewählten Vorsitzenden nicht zum

Landesparteitag der sächsischen SPD zu entsenden. Und auch für die Nominierung für den Landesvorstand und Bundesparteitag gab es nur eine verhältnismäßig schwache Unterstützung.

 

Daraus muss man als verantwortungsbewusster Politiker die

Konsequenzen ziehen. Wenn ein Politiker nicht mehr die Chance sieht, seine Aufgabe (=das Amt) zu erfüllen, sollte er gehen. Diesen Anspruch richte ich an alle anderen und natürlich auch an mich selbst. So gestern geschehen.

 

Es ging im Verlauf des Parteitags also nicht darum, ob ich eine Mehrheit hinter mir habe oder nicht. Diese war durchaus gegeben. Es ging vielmehr darum, ob ich mit einem starken Mandat für meine Aufgabe ausgestattet werde, das mich in die Lage versetzt, die gestellte Führungsaufgabe in der politischen Auseinandersetzung im öffentlichen Raum zu erfüllen. Das war nach Lage der Dinge nicht der Fall.

In den sozialen Medien wurde mir vorgehalten, dass ich vor

der Verantwortung fliehe. Das ist nicht plausibel. Ich wurde ja nicht

gezwungen, für den Kreisvorsitz zu kandidieren. Vielmehr habe ich mich mit Freude und viel Lust für die Aufgabe beworben. Ein kurzer Blick in meine Vita verrät auch, dass ich noch nie vor einer Aufgabe davongelaufen bin. Nein, ich hätte diese Aufgabe gern übernommen, hätte dafür aber mehr Unterstützung

gebraucht. Darauf kam es an. 

 

Ich hinterlasse keine Leere. Vielmehr bin ich mir sicher, dass

der Kreisverband einen erfahrenen und engagierten Genossen finden wird, der die Aufgabe übernimmt.

 

Danken möchte ich allen, die mir in den vergangenen Jahren

zur Seite gestanden haben. Besonders der letzte Bundestagswahlkampf hat mich viel Kraft gekostet, doch ich habe viel Solidarität erfahren. Diese Solidarität werde ich durch Engagement meinerseits in den kommenden Wahlkämpfen für die

nordsächsische SPD auch üben. 

 

Trotzdem erkenne ich, dass mit meiner gestrigen Entscheidung

für mich auch eine Reise zu Ende geht. Deshalb lege ich bis auf den Ortsvereinsvorsitz alle anderen Ämter innerhalb der SPD nieder. Für die Delitzscher bin ich gern weiter als ehrenamtlicher Stadtrat da.

 

Mein Rückzug soll nicht falsch interpretiert werden. Es hat

nichts mit Politikverdrossenheit zu tun. Ich werde mich weiter politisch engagieren und hoffe, dass ich möglichst viele Menschen zum Engagement für unsere Demokratie begeistern kann. Für den Moment war ich nur eben offenbar nicht der Richtige für das Amt des Kreisvorsitzenden.

 

Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises Nordsachsen alles Gute und bleibe gern für Sie ansprechbar.

Ihr