Wachpolizei? Wachpolizei!

Sicherheit hat viel mit Polizei vor Ort zu tun. Der Mangel an Polizeibeamten im Freistaat lässt sich aufgrund der langen Ausbildungszeiten nicht von heute auf morgen beheben. Und genau weil das so ist, sollten wir auch jene stärker wertschätzen, die derzeit einen wesentlichen Teil des Bedarfs abfedern: die Angestellten der sächsischen Wachpolizei.

 

Die werden immer wieder geschmäht als zu kurz ausgebildet oder zu wenig vorbereitet. Oder sie werden – wie jüngst im Sächsischen Landtag geäußert – höchstens als „Billiglösung“ angesehen, weil angeblich für die Ausbildung die Bewerberlage zu dünn sei, da viel zu viele Bewerber im Vorfeld absagen beziehungsweise die Auswahlprüfungen nicht bestehen würden.

 

Kann man so sehen. Kann man auch anders sehen. Ich persönlich finde es überhaupt nicht schwierig, wenn nicht jeder, der „Hier!“ schreit, am Ende genommen wird. Ganz im Gegenteil: Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir uns auch für die Polizei keine Interessierten backen können. Es bringt deshalb wenig, auf die Bewerberlage für die Wachpolizei zu schimpfen und diejenigen, die sich für sie entschieden haben, auch noch als weniger wert, nämlich „billig“, herabzuqualifizieren.

 

Wachpolizisten tragen ihren Teil dazu bei, dass Polizeiarbeit sichtbar und damit auch das individuelle Sicherheitsgefühl vor Ort wieder gestärkt wird. Anstatt die Wachpolizei abzukanzeln, sollten wir in Sachsen gemeinsam darum ringen, sie weiterzuentwickeln und als eine Form der polizeilichen Ausbildung zu verankern. Neben der regulären Beamtenausbildung für den Polizeivollzug bekämen wir so nicht nur die Chance, personellen Notstand kurzfristig abzufangen, sondern auch, motivierte junge Frauen und Männer gerade in einem verantwortungsvollen Berufsfeld zu halten.

 

 

Hintergrund:

 

Bis 2019 bildet der Freistaat 1.400 Wachpolizisten aus. Diese Angestellten im Polizeivollzugsdienst, die eine dreimonatige Ausbildung durchlaufen, werden vor allem für den Objektschutz gefährdeter Einrichtungen wie z. B. Flüchtlingsunterkünfte eingesetzt. Zugleich sollen sie helfen, personelle Engpässe bei der Polizei abzufedern, da der geplante Stellenaufbau mit Blick auf die langen Ausbildungszeiten noch Jahre dauern wird. Sie sind gegenüber ihren beamteten Kollegen auch in verschiedenen Tätigkeitsfeldern durch das Polizeigesetz eingeschränkt, sodass sie zum Beispiel nicht im Streifendienst eingesetzt werden können. Kritisiert werden Wachpolizistinnen und Wachpolizisten immer wieder für die Kürze ihrer Ausbildung.

 

 

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