Tag in Torgau und anderswo

Heute bin ich in Torgau und im Landkreis unterwegs gewesen. Das erste Gespräch begann um 9:30 Uhr und da habe ich gern vorher die Gelegenheit genutzt, einen Blick auf die Elbe an historischer Stelle zu werfen und einen kurzen Stadtbummel zu unternehmen. Traf dann meine erste Gesprächspartnerin. Ich werde hier nichts zu ihrer Funktion schreiben und auch nicht ihren Namen nennen. Wir hatten das so vereinbart. Was ich aber schreiben kann ist, dass sie sich große Sorgen um den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft macht. Dass da was auseinanderdriftet. Und dann machte sie eine erstaunliche Bemerkung. Sie sagte, dass es ihr auch große Sorgen mache, dass viele Menschen sich mit Hartz IV eingerichtet haben. Und dass nicht wenige dieser Leute dann auf der Straße gegen den Staat protestieren, obwohl ihnen dieser Staat alles Nötige zum Leben ohne Gegenleistung organisiert. Das gab mir zu denken. Ich persönlich meine auch, dass Empfänger von Sozialleistungen der Gesellschaft etwas zurückgeben sollten. Gerade auch - und das hier mal frei von jedem Klischee - wenn sie jung sind, gesund und mobil.

 

Nach diesem interessanten Austausch besuchte ich einen Torgauer Unternehmer, der sein Geschäft so aufgebaut hat, dass man das nur bewundern kann. Vor solchen "Machern" habe ich immer wieder größten Respekt. Er erzählte mir seine Sorgen über sinnlose Bürokratie, die gerade Mittelständlern zusetzt. Ganz ehrlich, dieses Thema kommt in zahlreichen Gesprächen hoch: Viele kleinere und mittlere Unternehmen leiden unter starren Regeln und eingeschränkter Beweglichkeit. Dabei hört man die unglaublichsten Stories. In Torgau beispielsweise von dem Wahnsinn, dass die Pappe des Unternehmers nicht vom Nachbarbetrieb entsorgt werden darf, der das grundsätzlich könnte. Stattdessen kommt ein Fahrzeug aus Leipzig, holt die Pappe ab und bringt sie wieder nach Leipzig. Ökologisch und ökonomischer Unfug, aber anders darf er seine Pappe nicht entsorgen. Unglaublich! Ich glaube, am Ende dieses Wahlkampfs werde ich genau über solchen Quatsch ein Buch schreiben.

 

Im Anschluss war ich zu Gast bei einem örtlichen Handwerksbetrieb. Ein sehr inspirierendes Gespräch! Mit dem Chef sprach ich unter anderem über den Mangel an Nachwuchskräften im Handwerk. Eine Idee, die heraussprang, war, dass der Freistaat Azubis des Handwerks am Ende einer erfolgreich bestandenen Lehre eine Prämie zahlen könnte.  Finde ich klasse! Das Handwerk findet derzeit viel zu wenig Anerkennung. Und das trotz seiner Bedeutung für unser aller Alltag. Es wäre schön, wenn auch Politik hier zur stärkeren gesellschaftlichen Wertschätzung beitragen würde. Es täte sicher den Handwerkerinnen und Handwerkern in unserem Land gut.

 

Das letzte Gespräch des Tages - dies dann schon aus Torgau wieder heraus und auf der Einflugschneise in die Delitzscher Heimat - fand bei einem sehr engagierten Bürgermeister statt, der mir die Sorgen mit der Bürokratie (da haben wir sie wieder) im Fördermitteldschungel anschaulich erläuterte. Zudem plagt ihn - wie andere seiner Kollegen auch - das Problem fehlender Eigenmittel, die notwendig sind, um überhaupt Fördertöpfe in Anspruch nehmen zu können. Für mich ist klar: egal wie und wo - aber da müssen wir gemeinsam ran. Und zwar zügig.

 

So, das nun für heute. Ereignisreicher Tag. Spannende Begegnungen. Ich bin ziemlich platt und trotzdem stehen hier höchstens zehn Prozent der heute angesprochenen Themen. Da gibt's also noch einiges zu beackern. Ist ja aber auch, ums mit Günter Grass zu sagen, "Ein weites Feld."