Rente

Renten von unter 1000 Euro sind heute keine Seltenheit mehr. Um heute eine Rente von 1370 Euro anzusparen, muss ein Mensch 45 Jahre lang ein monatliches Durchschnittseinkommen (das waren 2016 übrigens stolze 3020 Euro) verdienen. Wer Teilzeit arbeitet oder keine kontinuierliche Erwerbsbiografie aufbauen kann, verliert ebenfalls. Frauen sind besonders betroffen. Auch von niedrigen Einkommen. Viele verdienen selbst in Vollzeit deutlich unter Durchschnitt.

 

Das Vertrauen in die Alterssicherung nimmt ab. Kein Wunder: ein sinkendes Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung trifft auf abnehmende Renditen bei der privaten Vorsorge. Um die Talfahrt der Renten zu stoppen, ist ein Strategiewechsel nötig: Weg vom Ziel, die Beiträge niedrig zu halten, hin zu einer „Rente für ein Altern in Würde“ nach österreichischem Vorbild.

Modell Österreich

Das österreichische Rentensystem ist in eine deutlich andere Richtung reformiert worden. Anstatt auf kapitalgedeckte, private Vorsorge zu setzen, liegt der Fokus bei der Lebensstandardsicherung durch die Rentenversicherung. 

 

Mit Erfolg: Rentner erhalten 80 Prozent vom Durchschnittsverdienst zum Regelalter 65 nach 45 Beitragsjahren. Dafür zahlen sie einen Beitragssatz von 22,8 Prozent (in Deutschland derzeit 18,7 Prozent).

 

12,55 Prozent tragen die Arbeitgeber, Arbeitnehmer zahlen 10,25 Prozent. Für die ebenfalls in der Pensionskasse mitversicherten Selbstständigen und Bauern wird ein Bundeszuschuss aus Steuermitteln gezahlt.

 

Ich bin auch dafür, dass künftig alle, auch Beamte, Selbstständige, Besserverdienende und natürlich Politiker in das Rentensystem einzahlen.

Solidarrente

Eine gute Rente ist nicht kostenlos zu haben ist. Deshalb hat die SPD Ende November ein Konzept zur Stabilisierung der Renten vorgelegt. Mit einer Haltelinie von 48 Prozent bis ins Jahr 2030 will sie Sicherheit schaffen für alle, die einzahlen.

 

Mit der Solidarrente wollen wir ein Alterseinkommen für langjährig Beschäftigte gewährleisten, das zehn Prozent über dem durchschnittlichen Grundsicherungsanspruch am Wohnort liegt. Regional unterschiedliche Wohnkosten werden so berücksichtigt.

Wie weiter?

Wir müssen uns als Gesellschaft entscheiden, ob wir niedrige Rentenbeiträge auf unsere Löhne wollen (also mehr Netto jetzt) oder lieber eine gute Rente später.

 

Wenn die Rente später passen soll, müssen wir uns auf steigende Beiträge einstellen. Das ist auch in Ordnung, wenn sich die Beitragszahler darauf verlassen können, dass auch sie von ihren Kindern, also der jeweils nachfolgenden Generation, solidarisch versorgt wird. Deshalb macht die "Haltelinie" der SPD Sinn, denn sie garantiert aus Steuermitteln ein Mindestniveau an Rente.

 

Wenn wir mehr wollen, bieten sich Betriebsrenten an, die nun auch vom Staat besser unterstützt werden. Nicht bewährt hat sich meiner Ansicht nach die private Vorsorge, zum Beispiel über die Riester-Rente. Das gehört zur ganzen Wahrheit.


Flexible Rentenübergänge statt Anhebung der Regelarbeitszeit

Die 2007 beschlossene Erhöhung der Regelaltersgrenze wird zum Jahr 2029 abgeschlossen sein. Eine weitere Anhebung wird es mit uns nicht geben. Wir wollen stattdessen auch weiterhin flexible Renteneintrittsmöglichkeiten fördern, die unterschiedliche berufliche Belastungen und Erwerbsverläufe berücksichtigen. Ziel muss es sein, dass die Regelaltersgrenze gesund und leistungsfähig erreicht werden kann.

Absicherung von Selbstständigen

Zukünftig werden Selbstständige, die nicht in einem Versorgungswerk abgesichert sind, in die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Rentenversicherung einbezogen. Ziel ist es dabei, dass bisher nicht versicherte Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung eine auskömmliche Alterssicherung erreichen. Sie profitieren von allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und beteiligen sich an der solidarischen Rentenversicherung durch eigene Beiträge.

Für Neugründungen und Kleinunternehmen wird es Regeln geben, die eine finanzielle Überforderung vermeiden. Die Einbeziehung der bisher nicht versicherten Selbstständigen ist der erste Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung auszubauen.

Erwerbsminderungsrente verbessern

Erwerbsminderung stellt heute ein zentrales Risiko für Altersarmut dar. Für viele Beschäftigte ist es aus gesundheitlichen und körperlichen Gründen nicht möglich, das gesetzliche Rentenalter im Erwerbsleben zu erreichen. Erwerbsminderung beruht nicht auf einer freiwilligen Entscheidung der Betroffenen. Wir brauchen deswegen Verbesserungen, die alle Erwerbsminderungsrentner erreichen und auch diejenigen besser berücksichtigen, die aus gesundheitlichen Gründen auf dem Arbeitsmarkt ohne Chancen sind.

Neuer Generationenvertrag

Damit das alles funktioniert und bezahlbar ist, brauchen wir einen neuen Generationenvertrag. Eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus ist keine Kleinigkeit, sondern nur durch eine nationale Kraftanstrengung und in einem gesamtgesellschaftlichen Konsens erreichbar. Wir werden deswegen umgehend einen Dialog für einen neuen Generationenvertrag starten und ein Reformprogramm auf den Weg bringen, das weit über die Rentenpolitik hinaus alle Potenziale für eine Stärkung der gesetzlichen Rente mobilisiert:

Mehr Erwerbsbeteiligung

Die Erwerbsbeteiligung muss durch Qualifizierung, kinderfreundliche Infrastruktur und familienfreundliche Lebensarbeitszeitmodelle erhöht werden. So kann längerfristig auch ein wünschenswerter Anstieg der Geburtenzahlen gefördert werden.


gezielte Einwanderung

Durch eine systematische Einwanderungspolitik muss einem Arbeitskräftemangel vorgebeugt werden. Um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken, einem Fachkräftemangel vorzubeugen und das Verhältnis von Beitragszahlenden und Rentenempfängern positiv zu beeinflussen, wird es auch auf eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und eine systematisch gesteuerte Zuwanderung durch ein Zuwanderungsgesetz ankommen.


Alle zahlen ein

Das Rentensystem muss ab Mitte der 20er Jahre für eine Übergangszeit durch zusätzliche Steuermittel und eine Verbreiterung der Versichertenbasis stabilisiert werden. Das bedeutet, dass auch Selbstständige, Beamte und Politiker in die Rentenkasse einzahlen müssen. Diese erwerben natürlich damit auch Rentenansprüche.


Produktivität steigern

Die Basis für die Finanzierung von Infrastruktur-, Bildungs- und Rentensystem muss eine beschleunigte Digitalisierung und daraus erwachsende Produktivitätssteigerungen bilden. Den Rahmen für diese und andere Maßnahmen muss dabei eine wachstumsfreundliche Wirtschafts- und Finanzpolitik setzen, die die notwendigen Investitionen ermöglicht. Dazu gehört vor allem die Nutzung der Chancen, die sich durch die Digitalisierung ergeben.


gute Löhne

Mit einer weiteren Stärkung der Tarifbindung, einem Pakt für anständige Löhne (insbesondere im Dienstleistungsbereich) und einer Bildungs- und Qualifizierungsoffensive werden wir die Weichen für eine gute Lohnentwicklung in der Zukunft stellen.



Übrigens, können Sie Ihre Renteninformation entziffern? Falls nicht, finden Sie die links stehende Grafik unten zum Herunterladen.

Sie wird Ihnen eine Hilfe zum Verständnis der eigenen jährlichen Renteninformation sein.

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Wie man seine Renteninformation liest
Quelle: VORWÄRTS Dezember 2016
Rentenbescheid.pdf
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